Wild Side
Sébastien Lifshitz
Frankreich/Belgien/Großbritannien 2004, 35mm, Farbe, 94 Min., Omd/fU

LVT Manfred Salzgeber Award „Bester Spielfilm“ – Int. Filmfestspiele Berlin 2004
Teddy Award „Bester Spielfilm“ – Int. Filmfestspiele Berlin 2004
Best New Director – Seattle Intl. Film Festival 2004
Grand Jury Award – Outfest Los Angeles LGBTI Film Festival 2004

Ein humanistisches Meisterwerk! New Internationalist
Lifhsitz’ Utopie von einer Allianz der Außenseiter steht in seiner Kühnheit dem Kino Fassbinders in Nichts nach. The Village Voice
Wild Side erzählt eine schöne und berührende Liebesgeschichte, eingebettet in eine Stimmung der Einsamkeit und Melancholie. Es ist die Liebesgeschichte dreier ‚Antiheld_innen‘, die eine ungewöhnliche, zerbrechliche Familie bilden. Studio Magazine

Die Bilder von Agnès Godard, der langjährigen Kamerafrau von Claire Denis, erzielen eine atemberaubende Mischung aus Sinnlichkeit, formaler Eleganz und surrealem Detail. Egal ob die Kamera über die Körper der Figuren fährt, über die Architektur von Paris oder die Felder Nordfrankreichs – der Film gibt uns immer das Gefühl, die Welt in jenem Moment neu zu entdecken. Eine Welt, die erfüllt ist von Geheimnissen und Gewalt – aber auch von bestechender Schönheit. (The New York Times)

Wild Side ist ein Meilenstein des französischen Queer Cinema und hat auch über zehn Jahre nach seiner Uraufführung nichts von seiner poetischen Kraft verloren.
Paris. Wild, pulsierend und kalt. Stéphanies Leben verläuft eintönig. Bis eines Tages ein Anruf alles verändert, denn ihre Mutter ist krank und braucht Hilfe. Stéphanie kehrt in die raue und einsame Landschaft Nordfrankreichs zurück. Vor 15 Jahren war sie – damals noch ein Teenager namens Pierre – nach Paris in die Großstadt abgehauen. Das Geburtshaus und die endlos weite Landschaft – hervorragend eingefangen von Kamerafrau Agnès Godard - bringen starke Emotionen und Erinnerungen an eine glückliche Kindheit hervor. Nicht nur für Stéphanie, sondern auch für Mikhail, einen russischen Ex-Soldaten, der in Tschetschenien gekämpft hat und in Frankreich untergetaucht ist, und Djamel, einen 30-jährigen Nordafrikaner, der sich mit seiner Familie überworfen hat, ihre beiden Begleiter – und Liebhaber. Die Reise wird zur Konfrontation mit der Vergangenheit und zum Testfall für ein ungewöhnliches Liebestrio, eine ungewöhnliche Familie. Äußerst stimmungsvoll verwebt Sébastien Lifshitz Momente aus Gegenwart und Rückblenden zum eindrücklichen Porträt einer fragilen Ménage-à-trois.

Wild Side verläuft […] entgegengesetzt zur Bewegung des herkömmlichen Coming-Out-Films. Nicht die Konstruktion einer Identität wird hier verhandelt, als Gegenentwurf zu Werten und Normen der Herkunft. Eher geht es darum, in der Rückkehr den eigenen Status zu überprüfen, mit einer versöhnlichen Geste den Ort des Aufwachsens für sich wiederzugewinnen und so mit ihm abzuschließen. Wild Side begibt sich damit, als Beispiel für ein New Queer Cinema, auf die Suche nach einer umfassenderen Auffassung von Heimat, die beim Körper Stéphanies beginnt. Er wird aber nie zum Belangfilm, weil er ein künstlerisches Ansinnen verfolgt. (Dominik Kamalzadeh, Der Standard)

Sébastien Lifshitz
wurde 1968 in Neuilly-sur-Seine geboren. Er studierte Geschichte in Paris, war danach Assistent der Fotografin Suzanne Lafont sowie der Regisseurin Claire Denis, über die er 1996 einen Dokumentarfilm drehte: Claire Denis la Vagabonde. Für Les Corps ouverts (1997), seinen ersten mittellangen Spielfilm, wurde er mit dem renommierten Prix Jean Vigo ausgezeichnet. Nach dem TV-Film Les Terres froides (1999) entstand sein Langfilmdebüt Prèsque rien (2000), das im Kino sehr erfolgreich war. La Traversée, ein Dokudrama über die Suche eines jungen Mannes nach dem Vater, den er nie kannte, wurde 2002 in Cannes im Rahmen der Quinzaine des Réalisateurs präsentiert. Wild Side ist Lifshitz‘ dritter Spielfilm.

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
15.06. 20:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Sébastien Lifshitz

Buch: Sébastien Lifshitz, Stephane Bouquet.
Kamera: Agnès Godard.
Schnitt: Stéphanie Mahet.
Ton: Yolande Decarsin.
Musik: Jocelyn Pook.
Szenenbild: Roseanna Sacco-Colas.
Mit: Stéphanie Michelini, Edouard Nikitine, Yasmine Belmadi, Josiane Stoleru.

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