Zwielicht  (Twilight)
Margareta Heinrich
Österreich 1978, DCP, Farbe, 28 Min., OF – Österreich-Premiere der digitalisierten Fassung

Präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Institut für Film- und Medienwissenschaft der Filmakademie

Der Kurzspielfilm handelt von zwei jungen Frauen, die unterschiedliche Vorstellungen von Freundschaft und Liebe haben. Mara verliebt sich in Charlotte und möchte mit ihr eine auch körperliche Beziehung eingehen. Für Charlotte ist diese Art von Gefühlen neu und sie reagiert mit Ambivalenz: einem Zwiespalt von Angst, Abwehr, Zuneigung und Neugierde. Angst nicht nur vor Mara, sondern auch vor ihren eigenen Gefühlen. Als Mara beginnt, ihre Zuneigung auszusprechen, will sich Charlotte in ihre angelernte unverbindliche Freundlichkeit flüchten, was zu Konflikten führt.

Margareta Heinrichs erster überlieferter Kurzspielfilm ist, wie sie selbst auf dem Programmblatt des Verleihs ausführte, „eine Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten und Barrieren, die in einer männerdominierten Welt der Beziehung zwischen Frauen im Wege stehen“. Für unseren Zugang zum Thema schrieben Margareta Heinrich und Lisl Haberkorn, „die beiden Frauen als gleichwertige Persönlichkeiten darzustellen. Eine mögliche Beziehung zwischen ihnen sollte nicht als Rollenumkehr, sondern als Versuch, das Rollenschema von Unter- und Überlegenheit aufzubrechen, gesehen werden.“ (aus dem Kapitel „Frauenfilm“ in „Margareta Heinrich. Taschenkino.“, Filmarchiv Austria)

Ihre erste, noch im Rahmen der Filmakademie entstandene Bachmann-Verfilmung, der Kurzfilm Zwielicht, fügte sich aufgrund seines Themas – der konfliktreichen Begegnung von zwei Frauen, die unterschiedliche Vorstellungen von Freundschaft und Liebe haben – praktisch nahtlos in die zeitgenössische Diskussion innerhalb der Frauenbewegung ein. Der Film wurde weniger als Literaturverfilmung wahrgenommen, die er auch war, denn als dezidierter Frauenfilm. (aus dem Kapitel „Ungleichzeitigkeiten“ in „Margareta Heinrich. Taschenkino.“, Filmarchiv Austria)

Zwielicht hingegen zeigt die Begegnung zwischen Charlotte und Mara so, dass keine Heterofrau sich fürchten muss und verrät damit in erster Linie pädagogisches – im Gegensatz etwa zu einem realistischen oder dramaturgischen – Interesse.

Margareta Heinrich
*1951 in Deutschkreutz; † 1994 in Wien. Geboren in einem kleinen Ort direkt an der österreichisch-ungarischen Grenze zog es Heinrich schon früh nach Wien, wo sie an der Filmakademie Wien Drehbuch und Regie studierte. Schon während dieser Zeit begann sie sich vor allem für politische und feministische Themen zu interessieren. 1975 entstand ihr erster Film Wo sein Babsy?, 1978 der Kurzfilm Zwielicht nach einer Erzählung von Ingeborg Bachmann. Ihre Dokumentarfilme führten sie vor allem in die Dritte Welt, nach Nicaragua und Mosambik. 1988 wurde sie für ihren Spielfilm Durch dick und dünn mit dem Ernst-Neuberg-Preis ausgezeichnet. 1992 entstand der Spielfilm Ihr glücklichen Augen, wiederum nach einer Erzählung von Ingeborg Bachmann mit Cornelia Köndgen und Peter Sattmann in den Hauptrollen. Ihr letzter Film Totschweigen, ein Dokumentarfilm über das Massaker von Rechnitz lief auf vielen internationalen Festivals und wurde 1995 mit dem Prix Futura Berlin ausgezeichnet. Das Thema dieses Films wurde 14 Jahre später von Elfriede Jelinek aufgenommen. Es entstand das Theaterstück „Rechnitz (Der Würgeengel)“. Am 25. Februar 1994 nahm sich Margareta Heinrich das Leben.

Filmografie:

Zwielicht (1978, Kurzfilm), La Esperanza – Hoffnung nach Jahren des Elends (1980, Dok.), Der Traum des Sandino (1981, gemeinsam mit Rudi Palla), Ich habe viele Leben gelebt. Alexandra Kollontai – Ein Portrait (1983, gemeinsam mit Ullabritt Horn), Genossinnen (1983, gemeinsam mit Ullabrit Horn), No Pasaran – Sie kommen nicht durch (1984, gemeinsam mit Rolf Oerter), Durch dick und dünn (1987, Spielfilm), Ist der Teufel wirklich ein Kind? (1990, gemeinsam mit Margit Niederhuber), Ihr glücklichen Augen (1993, Spielfilm), Totschweigen (1994, gemeinsam mit Eduard Erne).

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
12.06. 18:00 / Filmcasino

REGIE:
Margareta Heinrich

Buch: Liesl Haberkorn, Margareta Heinrich, nach einer Erzählung von Ingeborg Bachmann.
Kamera: Helmut Pirnat.
Schnitt: Paul Sedlacek, Margareta Heinrich.
Produktion: Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Filmakademie Wien).
Mit: Gertraud Auer, Ernst Grandits, Chriseldis Hofer, Gerhard Swoboda, Doina Weber.

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