Bolesno  (Sick)
Hrvoje Mabic
Kroatien 2015, DCP, Farbe, 95 Min., OmeU

Eine packende Studie über Wahnsinn und eine mutige Verurteilung der so genannten Behandlungen gegen Homosexualität. Inside Out – Toronto LGBT Film Festival

Mit 16 Jahren beschließt Ana, ihre Freundin nicht länger vor ihren Eltern geheim zu halten und stellt sie ihnen vor. Doch ihr Coming-out trifft auf Unverständnis, ja offene Ablehnung. Unter dem Vorwand Ana von ihrer (gar nicht existenten) Drogensucht zu befreien, wird sie von ihren Eltern in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo es sich die leitende Ärztin zur Aufgabe macht, sie von ihrer Homosexualität zu „heilen“. Über diese tragische Zeit voller psychischer und physischer Qualen berichtet Regisseur Hrvoje Mabic in intimen Bildern von Ana, die früher ein normales, gesundes Mädchen war und nun mit ihrer dunklen Vergangenheit kämpfen muss – aber auch fest entschlossen ist, der Welt ihre Geschichte zu erzählen und von der kroatischen Justiz Rache für ihre verlorenen Jahre zu fordern.

Regisseur Hrvoje Mabic nutzt die Jahreszeiten, um seinen Film zu strukturieren, vom beginnenden Herbst bis zum blühenden Sommer, auch um Anas lange Reise, bis sie endlich frei von ihrer Vergangenheit ist, anschaulich zu machen. Bolesno ist geprägt von diesen Naturaufnahmen, vom Wetter, wie sich die idyllische Landschaft verändert, aber Ana kann diese Bilder nur sehen, ihre Gefühle hängen an der Vergangenheit. Der Heilungsprozess braucht einfach seine Zeit. Die eigentliche Heldin des Films aber ist Anas Freundin, die sie mit viel Geduld unterstützt. Ana bringt ihren Fall vor Gericht, aber es ist ungewiss, ob das wirklich eine Befreiung für sie bedeuten wird. Jede_r, der schon einmal betrogen oder emotional verletzt wurde, wird sich in diesem Film wiederfinden. Die tröstliche Botschaft, dass Zeit alle Wunden heilt, wird anschaulich gezeigt. (Lee Hamilton, Shortcom Magazine)

Bolesno spielt Anfang der Nullerjahre in Kroatien und ist auch als Zeitdokument zu verstehen: Damals galt Homosexualität noch als „Krankheit“, die „behandelt“ werden musste. Gleichzeitig zeigt der öffentliche Prozess, den Ana anstrebt, dass es sehr wohl ein Umdenken gibt, dass es sich lohnt, gegen Unterdrücker_innen zu kämpfen. Aber eigentlich dokumentiert der stille, meditative Film eine Heilung, die lange Zeit, die es braucht, sich von den dunklen Schatten der Vergangenheit zu lösen, und dass Rache mitunter auch nicht der richtige Weg ist. (Karin Cerny)

Hrvoje Mabic
kroatischer Regisseur und Produzent, wurde 1974 geboren. Er studierte Philosophie und schloss sein Studium 1988 ab. Er schrieb und führte Regie für die TV-Serie Direkt und hat zahlreiche TV-Werbeclips und kurze Dokumentationen gedreht. 2014 entstand sein Dokumentarfilm 4. Majmun.

www.fadein.hr/project/bolesno

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
15.06. 18:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Hrvoje Mabic

Buch: Hrvoje Mabic.
Kamera: Bojana Burnac, Almmir Fakic.
Schnitt: Hrvoje Mabic, Zarko Korac.
Produktion: Morana Komljenovic, Iva Tkalec, Magdalena Petrovic.
Mit: Anna Dragicevic, Martina Ferencic.

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