Je ne suis pas féministe, mais…  (I Am Not a Feminist, But…)
Florence Tissot, Sylvie Tissot
Frankreich 2015, Digital, Farbe und S/W, 52 Min., OmeU – Österreich-Premiere

In Anwesenheit von Florence Tissot

Delphy is France’s most exciting feminist writer. Simone de Beauvoir

lncredibly insightful…a great profile piece that shines some well-deserved light on a French feminist force. afterellen.com

„Je ne suis pas féministe, mais… (Ich bin keine Feministin, aber…)“, das war für Christine Delphy und für viele andere in der Frauenbewegung der späten 1960er und frühen 1970er Jahre lange Zeit der Standardsatz. Bewusst vermieden sie das „Unwort“, die Etikettierung und das Stigma, das damit in der öffentlichen Meinung verbunden war. Obwohl Delphy früh ein feministisches Bewusstsein entwickelt, Frauen liebt und in ihrer persönlichen Entfaltung von den Eltern nicht eingeschränkt wird, vermeidet auch sie das „F-Wort“. 1985 reflektiert die gelernte Soziologin, die in den USA wesentlich durch die Civil Rights-Bewegung geprägt und 1968 zur Gründerin des "MLF" (Mouvement de Libération des Femmes) in Frankreich wurde, in einer legendären Fernsehsendung mit Simone de Beauvoir und Delphine Seyrig als Ko-Diskutantinnen, über den rituellen, von vielen für ihre Rechte eintretenden Frauen gebrauchten und titelstiftenden Satz.

Lebhafte historische Filmausschnitte (aus den 1970er und 80er Jahren) zeigen Christine Delphy bei Aktionen im öffentlichen Raum (etwa der Kranzniederlegung für die „unbekannte Frau“ am Kriegerdenkmal in Paris, bei der sie mit Monique Wittig verhaftet wurde) und bei Gruppentreffen – unter anderem mit Kate Millett – während der bewegten Gründungszeiten des "MLF" mit der Arbeit am Feministischen Manifest, als neben anderen Delphine Seyrig und SdB kräftig Unterschriften in ihrem Umfeld dafür sammelten. In aktuellen Interviews bringt sie ihre theoretisch fundierten, weitsichtig formulierten Einschätzungen zu Geschichte und Gesellschaft immer wieder humorvoll und durchaus mit Selbstironie auf den Punkt. Viele der Kämpfe von „damals“ – rechtliche Gleichstellung, (körperliche) Selbstbestimmung, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das Durchbrechen der gläsernen Decke für Frauen im Berufsleben, die selbstverständliche Sichtbarkeit von Lesben – sind immer noch alles andere als erledigt. Besondere Beachtung schenken die Filmemacherinnen auch aktuellen Debatten und politischen Entwicklungen, wie etwa dem Rassismus in Frankreich. Delphy ist heute einmal mehr an vorderster Front im Kampf gegen anti-muslimische Ressentiments und fordert Durchhaltevermögen ein. Einen Rückzug in individualistische Lösungen lässt sie nicht durchgehen, auch wenn der Fortschritt zugegebenermaßen langsam und quälend ist, Resultate vielleicht erst in späteren Generationen sicht- und spürbar werden. Und sie findet: „Es gibt Gründe, wütend zu sein, und Frauen sind noch nicht wütend genug.“ Der Soundtrack kommentiert die geschilderten Themenstellungen mit perfekt gewählten Songs, etwa von Nina Simone, Lesley Gore, Sylvie Vartan und M.I.A.

Florence Tissot
Als stellvertretende Kuratorin der Cinémathèque française (Paris) zeichnet sie verantwortlich für Ausstellungen über französische Filmemacher wie Jean Cocteau oder François Truffaut. Sie schrieb mehrere Artikel für die Zeitschriften „Vertigo“ und „Cahiers du cinéma“ und setzt sich als Aktivistin in der LGBT-Gruppe Pink Panthers für feministische Themen ein.

Sylvie Tissot

Die Professorin für Politikwissenschaften (Universität Paris) und feministische Aktivistin betreibt auch die Webseite „Les mots sont importants“, auf der Artikel zu den Themen Rassismus, Sexismus und Homophobie veröffentlicht werden. Aktuell forscht sie in einem Projekt zum Vergleich der Schwulenfreundlichkeit in Paris und New York.

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
13.06. 18:00 / Metro Kino Historischer Saal
13.06. 18:30 / Metro Kino Pleskow Saal

REGIE:
Florence Tissot, Sylvie Tissot

Buch: Florence Tissot, Sylvie Tissot.
Kamera: Marc Tevanian.
Schnitt: Agathe Cauvin.
Mit: Christine Delphy, Simone de Beauvoir, Delphine Seyrig, Monique Wittig, Kate Millett.

FILM EMPFEHLEN

print