Mapplethorpe: Look at the Pictures
Fenton Bailey, Randy Barbato
USA/Deutschland 2016, DCP, Farbe und S/W, 108 Min., OmdU – Österreich-Premiere

So freimütig wie sein Werk! Screen International
Robert Mapplethorpe – ein James Dean mit Kamera und Peitsche – hatte ein Leben, das Vasari zu Tränen gerührt hätte: des Mitgefühls, aber auch des Glücks über das pure anekdotische Gold. Hier ist ein provokativer Künstler, der Unsterblichkeit verdient! The Guardian

Der 1989 verstorbene Robert Mapplethorpe war schon als Person eine Ikone. Er verzauberte mit seiner Aura des hübschen und sehnsüchtigen Intellektuellen nicht nur seine wichtigsten Lebensgefährten Patti Smith und den Kunstsammler Sam Wagstaff, sondern auch diejenigen, die er ablichtete, Stars wie Andy Warhol, Richard Gere, Peter Gabriel, Grace Jones und Paloma Picasso. Wer in den siebziger Jahren etwas auf sich hielt, versuchte, sich von Mapplethorpe porträtieren zu lassen.
In der Dokumentation von Bailey und Barbato geht es jedoch nicht vordergründig um Mapplethorpes Starporträts, sondern um seine legendäre X-, Y- und Z-Series, in denen er auf Grundlage der Sujets (Homo-)Sexuality, Flowers und Blacks ebenso perfekte wie provokante Bilder versammelt. Die Filmemacher stellen die Dämonisierung Mapplethorpes durch die christlich-konservativen Kräfte in den USA der Humanisierung des Menschenbildes durch Mapplethorpes Arbeiten und ihren Einzug in die Museen gegenüber. Erstmals überhaupt konnte dafür in vollem Umfang auf die Mapplethorpe-Archive mit über 120.000 Bildern und mehr als 2.000 bearbeiteten Prints zurückgegriffen werden, was […] auch die Genese Robert Mapplethorpes vom Sohn irisch-katholischer Einwander_innen zum kontroversen Megastar der internationalen Kunstszene veranschaulicht […]. (Thomas Hummitzsch, therollingstone.de)

Es gibt da diese Dualität in Robert Mapplethorpe. Mittags aß er im Nobelrestaurant, abends besuchte er Orgien im Sadomaso-Klub. Er fotografierte empfindsame Stillleben mit Mohnblume – aber auch das Selbstporträt mit Bullenpeitsche im Hintern. Einerseits war er ein ausschweifender Lebemann, andererseits stets getriebener Workaholic. Politiker_innen dämonisierten ihn, die Kunstszene feierte. Mapplethorpe: Schönheit und Schock.
Kann Pornografie Kunst sein? Heute wird eine solche Frage nicht mehr gestellt. In den Siebzigerjahren aber galten andere Regeln. Pornografie war bis zu diesem Zeitpunkt ein dilettantisches Geschäft, Homosexualität verboten – der ehemalige Messdiener wollte diese Dinge auf seinen persönlichen Altar heben, er wollte Körper, Schwänze und sexualisierte Tulpen zu Kunstwerken perfektionieren, auf dass es den Betrachter_innen den Atem verschlüge.

Look at the Pictures zeigt Mapplethorpe als Menschen, der Sex und Beziehungen für seine Karriere instrumentalisierte. Nach dem Studium bot er sich als Callboy an, um weiter zeichnen zu können, später ließ er sich von Förder_innen aushalten und bezahlte mit Erotik, er umgab sich vorzugsweise mit Reichen und Prominenten. „Es geht im Leben darum, andere zu benutzen und von anderen benutzt zu werden. Darum geht es in Beziehungen“, resümiert Mapplethorpe im Film. Robert sei auf so besondere Art schön gewesen, dass sich jeder sofort in ihn verliebte, „sogar Hunde mochten ihn“, bestätigt einer seiner Lebensabschnittspartner, der ihn später mit dem 25 Jahre älteren Kurator Sam Wagstaff zusammenbrachte. (Carola Padtberg-Kruse, Der Spiegel)

Fenton Bailey und Randy Barbato
drehten zahlreiche Dokumentarfilme über Ikonen des schwulen und lesbischen Undergrounds.

Filme (Auswahl): Inside Deep Throat (2005), Becoming Chaz (2011), The Strange History of Don't Ask, Don't Tell (2014).

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
13.06. 18:00 / Filmcasino

REGIE:
Fenton Bailey, Randy Barbato

Buch: Fenton Bailey, Randy Barbato.
Kamera: Huy Truong, Mario Panagiotopoulo.
Schnitt: Langdon F. Page.
Produktion: Katharina Otto-Bernstein.
Mit: Robert Mapplethorpe, Edward Mapplethorpe, Debbie Harry, Fran Lebowitz, Brice Marden.

FILM EMPFEHLEN

print