Der Staat gegen Fritz Bauer  (The People vs. Fritz Bauer)
Lars Kraume
Deutschland 2015, DCP, Farbe, 105 Min., OF

Publikumspreis – Locarno Film Festival 2015
Goldene Lola „Bester Spielfilm“ – Deutscher Filmpreis 2015
Goldene Lola „Beste Regie“ – Deutscher Filmpreis 2015
Goldene Lola „Bestes Drehbuch“ – Deutscher Filmpreis 2015
Goldene Lola „Bester Nebendarsteller: Ronald Zehrfeld“ – Deutscher Filmpreis 2015
Goldene Lola „Bestes Szenenbild“ – Deutscher Filmpreis 2015
Prädikat „besonders wertvoll“ – Filmbewertungsstelle Wiesbaden

Beeindruckendes Drama, in dem die deutsche Nachkriegsgeschichte mit allen ihren Rissen und Widersprüchen erlebbar wird. Yorck Kinos
Geheimtreffen, ominöse Wortwechsel, Drohgesten und Drohbriefe – ein Holocaust-Justizdrama als Politkrimi zu Einsätzen von Cool Jazz-Trompeten. filmgazette.de
Burghart Klaußner spürt dieser faszinierenden Figur bis in ihre Tiefen nach – eine wahrhaft oscarreife Leistung. Oliver Kaever, Die Zeit

Ende der 50er Jahre ist das Nachkriegsdeutschland ganz berauscht vom eigenen Wirtschaftswunder. Und kaum jemand will zwölf Jahre nach Kriegsende noch an die Gräuel des Dritten Reichs erinnert werden. Einer, der Rechenschaft will, ist Fritz Bauer. Der hessische Staatsanwalt kämpft jahrelang dafür, Naziverbrecher wie SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. Gemeinsam mit dem jungen Kollegen Karl Angermann recherchiert er, auch gegen massiven Widerstand in höchsten Kreisen und auch der eigenen Behörde. Er bekommt Hinweise, dass sich Eichmann in Argentinien versteckt, aber niemand will dem angeblichen Nestbeschmutzer helfen, zu viele Nazis besetzen noch immer, mehr oder weniger unerkannt, wichtige Positionen in Politik und Behörden.
Bauer ist eine faszinierende Persönlichkeit: Als deutscher Jude vor den Nazis geflohen, kommt er nach Kriegsende zurück und ist ein doppelter Außenseiter: als Jude und als Homosexueller, der sich noch immer verheimlichen muss, weil ihn in der BRD die alten Nazigesetze nach wie vor kriminalisieren. (Yorck Kinos)

Dieser Mann war vielen lästig: Fritz Bauer, Sozialdemokrat, Jude und KZ-Überlebender, sah nach Jahren des Exils seine Aufgabe darin, als Generalstaatsanwalt am Aufbau eines neuen, eines demokratischen Deutschlands mitzuwirken. Vor allem aber wollte Bauer, dass sich die Deutschen ihrer Geschichte stellen und die Verbrechen der Nationalsozialist_innen aufgearbeitet werden. (Siegessäule)

Der versteckte, aber immer noch allgegenwärtige Hass auf Juden und der offene, bei jeder sich bietenden Gelegenheit hervorbrechende Hass auf Schwule gehören in Lars Kraumes Porträt der 1950er Jahre untrennbar zusammen. Nicht zufällig kommentiert Oberstaatsanwalt Kreidler die Mitteilung, dass Fritz Bauer homosexuell ist, mit dem Satz: „Der Jude ist schwul.“ In den Politthriller mischt sich das Melodrama zweier homosexueller Männer. Klaußners Bauer gibt seinem Begehren allem Anschein nicht mehr nach. Der Paragraph 175 und die allgemeine Stimmung in der Bundesrepublik zwingen ihn zu einem Leben in Einsamkeit und Verstellung. Seine Selbstbeherrschung und -kontrolle gehen so weit, dass er selbst eine harmlose Geste Angermanns nicht erträgt. Nachdem der junge Staatsanwalt ihm von der Begegnung mit der Transsexuellen Victoria (Lilith Stangenberg) erzählt, legt er seine Hand auf Bauers Unterarm, der sich diesem Moment der körperlichen Nähe sofort wieder entzieht. (Sascha Westphal, Sissy)

Lars Kraume
wurde 1973 in Chieri, Italien, geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf. Sein Abschlussfilm Dunckel wurde 1998 mit dem Grimme-Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Im Jahr 2001 stellte er mit Viktor Vogel sein Kinodebüt vor. Es folgten verschiedene Fernseharbeiten, darunter die preisgekrönte Serie KDD – Kriminaldauerdienst im ZDF.

Filmografie:
1996: Life Is Too Short to Dance with Ugly Women (1996, Regie und Drehbuch), Dunckel (1998, Regie und Drehbuch), Der Mörder meiner Mutter (1999, Regie), Countdown zum Mord (1999, Regie), Viktor Vogel – Commercial Man (2001, Regie und Drehbuch), Tatort: Sag nichts (2003, Regie), Tatort: Wo ist Max Gravert? (2005, Regie und Drehbuch), Kismet – Würfel Dein Leben! (2005, Regie), Keine Lieder über Liebe (2005, Regie, Produktion und Drehbuch), Guten Morgen, Herr Grothe (2007, Regie), KDD – Kriminaldauerdienst (2007, Regie Folgen 3-6 und Drehbuch), Tatort: Der frühe Abschied (2008, Regie), Die kommenden Tage (2010, Regie, Produktion und Drehbuch), Tatort: Eine bessere Welt (2011, Regie und Drehbuch), Tatort: Der Tote im Nachtzug (2011, Regie und Drehbuch), Tatort: Es ist böse (2012, Drehbuch), Tatort: Im Namen des Vaters (2012, Regie und Drehbuch), Meine Schwestern (2013, Regie und Produktion), Tatort: Wer das Schweigen bricht (2013, Drehbuch), Tatort: Borowski und der brennende Mann (2013, Regie), Tatort: Der Hammer (2014, Regie und Drehbuch), Der Staat gegen Fritz Bauer (2015, Regie, Drehbuch zusammen mit Olivier Guez), Familienfest (2015, Regie), Dengler: Die letzte Flucht (2015, Regie), Dengler: Am zwölften Tag (2016, Regie), Terror – Ihr Urteil (2016).

www.derstaatgegenfritzbauer.de
KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
10.06. 18:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Lars Kraume

Buch: Lars Kraume, Olivier Guez.
Kamera: Jens Harant.
Schnitt: Barbara Gies.
Mit: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Lilith Stangenberg, Jörg Schüttauf, Sebastian Blomberg, Paulus Manker, Robert Atzorn.


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