Die Geschwister  (Brothers and Sisters)
Jan Krüger
Deutschland 2016, DCP, Farbe, 90 Min., OmeU

„Es gibt nichts umsonst“, sagt Sonja einmal…, und das ist dann auch so etwas wie das Motto, das dem Film voransteht. nachtsichtgeraet.de
Ein Berlin-Film mit klugen Beobachtungen und präzisen Schauspielleistungen, der ein Märchenmotiv mit Realismus auflädt. Andreas Köhnemann, spielfilm.de

Neukölln, ein Berliner Trendbezirk. Wohnungen sind knapp hier. Ohne Bürgschaft, Bonitäts- und Gehaltsnachweis geht schon lange nichts mehr. Thies kennt das Spiel; er arbeitet für eine Immobilienverwaltung, wickelt eine Besichtigung und Vergabe nach der anderen ziemlich emotionslos ab. Er ist ein kontrollierter Typ, im Beruf und in seinem (schwulen) Sexleben – bis er Bruno und Sonja trifft. Das „Geschwisterpaar“ sucht eine Wohnung, aber irgendwas Mysteriöses schwingt da mit neben der offensichtlich sofort vorhandenen Anziehung zwischen Bruno und Thies. Der verlässt sichere Verhaltensmuster, besorgt den beiden unter der Hand eine leerstehende, kostenlose Wohnung und beginnt eine Affäre mit Bruno. Schritt für Schritt taucht er tiefer in das Geheimnis der „Geschwister“ ein, involviert sich emotional, entdeckt Nachbarschaftsinitiativen gegen Gentrifizierung und für die vielen Menschen in der Stadt ohne offizielle Aufenthaltserlaubnis…
Ein Berlin-Film über einen Einzelgänger, der sich verstrickt. Über ein geheimnisvolles Paar aus dem „Osten“. Über eine Stadt, in der alle wohnen wollen…

Julius Nitschkoff (Bruno) und Irina Potapenko (Sonja) spielen das sich als Geschwister ausgebende Pärchen, das auf Wohnungssuche ist. Bruno, in seiner lichtblond-offenen Draufgängerart, hat gleich einen Sofortdraht zu dem schönen Melancholiker – und justament finden wir ihn auch prompt im Bett des von ihm Auserwählten; beide Männer harmonieren sexuell, so wie man sehen kann, auf das Vorzüglichste. Der Akt an sich macht auch die eigentliche Schwere von Thies Meisner (denn so heißt der Jungverwalter) unverzüglich leicht. Sofort entsteht die Frage, ob dies denn etwa ein Berechnungsakt des polnischen Verführers gewesen war, um so an eine Wohnung zu gelangen? Ja, schon, und nein auch wiederum. Denn beide mögen sich, über ihren Sex hinaus, doch ziemlich sehr. (kultura-extra.de)

Jan Krüger
wurde 1973 in Aachen geboren. Er studierte zunächst an der RWTH Aachen Physik und Sozialwissenschaften, ab 1996 Film-/Fernsehregie an der Kunsthochschule für Medien Köln. Sein Diplom erhielt er 2001 von Dietrich Leder und Horst Königstein. Für seinen Kurzfilm Freunde (2001) erhielt er diverse Auszeichnungen, unter anderem den Silbernen Löwen (Bester Kurzfilm) der Internationalen Filmfestspiele Venedig.

Filmografie (Auswahl):
Verführung von Engeln (1999, Kurzfilm/Musikfilm), Freunde (2001, Kurzfilm), Unterwegs (2004, Spielfilm), Tango Apasionado (2008, Kurzfilm), Hotel Paradijs (2007, Kurzfilm), Rückenwind (2009, Spielfilm), Auf der Suche (2011, Spielfilm), Die Geschwister (2016, Spielfilm).

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
13.06. 22:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Jan Krüger

Buch: Jan Krüger.
Kamera: Jenny Lou Ziegel.
Schnitt: Natali Barrey.
Mit: Vladimir Burlakov, Julius Nitschkoff, Irina Potapenko.

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