Mãe só há uma  (Don't Call Me Son)
Anna Muylaert
Brasilien 2016, DCP, Farbe, 82 Min., OmeU – Österreich-Premiere

Teddy Award Preis der „Männer“-Leser_innen Jury – Int. Filmfestspiele Berlin 2016

Mãe só há uma ist in vielerlei Hinsicht subversiv: Der Film hinterfragt Identität auf biologischer, sexueller, sozialer, kultureller und klassenspezifischer Ebene.
The New York Times
A humane portrait of teenage angst… as attuned to class as it is to gender and sexuality. Film Comment
One hell of an awkward family situation. Funny… and always crackling with electricity, in large part due to the lead performance from a magnetic Naomi Nero. Film Journal International

Pierre ist 17 und steckt mitten in der Pubertät: Er spielt in einer Band, hat Sex auf Partys, und heimlich probiert er vor dem Spiegel Frauenkleider und Lippenstift. Seine Mutter Aracy hat ihn und seine jüngere Schwester Jacqueline seit dem Tod ihres Mannes umsorgt und verwöhnt. Als er erfährt, dass sie ihn als Neugeborenes aus einem Krankenhaus gestohlen hat, ändert sich Pierres Leben schlagartig. Seine leiblichen Eltern Gloria und Matheus haben 17 Jahre lang nach ihm gesucht und wollen nun die verlorenen Jahre mit dem ältesten Sohn, den sie Felipe nennen, so schnell wie möglich nachholen. Kritisch beäugt von seinem jüngeren Bruder Joca zieht Pierre/Felipe bei seiner wohlhabenden, neuen Familie ein, die ihn nach ihren Idealen formen will. Aber Pierre hat seinen eigenen Lebensentwurf… (Berlinale 2016)

Pierre wirft gängige Vorstellungen über den Haufen. Er schminkt sich gerne, trägt seinen blauen Nagellack sogar in der Schule, rasiert seine Brusthaare. Aber definiert das auch automatisch seine Sexualität? Er wird von Jungs und Mädchen umworben und genießt beides. Gleich zu Beginn sehen wir ihn auf einer Party, er tanzt eng mit einem Freund, beginnt dann heftig mit einem Mädchen zu schmusen. Beim Sex mit ihr auf der Toilette zeigt die Kamera seinen Spitzen-Tanga. Ob weiblich oder männlich konnotiert, es sind doch nur Kleider, wird er später in einem Streit mit seinen neuen Eltern sagen, die nicht fassen können, dass sich ihr Sohn gern wie ein Mädchen anzieht. Es sind doch nur Geschlechterrollen, die dieser Film so undogmatisch genderfluid durcheinander wirbelt. Sympathisch, wie ungezwungen Pierre seine Sexualität auslebt und dabei nicht auf althergebrachte Rollenbilder achtet. (Karin Cerny)

Anna Muylaert
wurde 1964 im brasilianischen São Paulo geboren. Sie studierte von 1980 bis 1984 Kunst und Kommunikation an der dortigen Universität und arbeitete danach zunächst als Filmkritikerin und für das brasilianische Fernsehen. Nachdem ihre Kurzfilme in den Neunzigerjahren erfolgreich auf Festivals liefen, drehte sie insgesamt vier Langfilme, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Que Horas Ela Volta? (2015) gewann den Spezialpreis der Jury für Schauspiel beim Sundance Film Festival und den Publikumspreis als bester Film in der Panorama-Sektion der Berlinale 2015.

Filme: RockPaulista (1988, Kurzfilm), A Origem Dos Bebés Segundo Kiki Cavalcanti (The Origin of Babies, 1995, Kurzfilm), Durval Discos (Durval Records, 2002, Kurzfilm), É Proibido Fumar (Smoke Gets in Your Eyes, 2009), Para Aceitá-La, Continue Na Linha (2010,TV-Film), Chamadaacobrar (Collect Call, 2012), E Além De Tudo Me Deixou Mudo O Violão (While My Guitar Gently Weeps, TV-Film), Que Horas Ela Volta? (The Second Mother, 2015), Mãe só há uma (Don't Call Me Son, 2016).

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
14.06. 22:00 / Filmcasino

REGIE:
Anna Muylaert

Buch: Anna Muylaert.
Kamera: Barbara Alvarez.
Schnitt: Helio Villela Nunes.
Produktion: Maria Ionescu, Sara Silveira, Anna Muylaert.
Mit: Naomi Nero, Daniel Botelho, Dani Nefusi, Matheus Nachtergaele, Lais Dias, Luciana Paes, Helena Albergaria.

FILM EMPFEHLEN

print