Downriver
Grant Scicluna
Australien 2015, DCP, Farbe, 99 Min., OmdU – Österreich-Premiere

Ein neues Genre ist geboren: Queer Australian Gothic! The Lowdown Under
Reminiscent of Winter's Bone or Jane Campion's miniseries Top of the Lake, Downriver courageously deals with loss, identity, trauma, and hard-won redemption. Jane Schoettle, Toronto Intl Film Festival

Der achtzehnjährige James kehrt zurück in den Trailerpark seiner Kindheit, um sich seinen Dämonen zu stellen und herauszufinden, was wirklich passiert ist, damals, als ein Junge am Fluss verschwand und er dafür verantwortlich gemacht wurde. Er trifft auf seinen besten Freund von damals, immer noch der Draufgänger, der seine queere Identität selbstbewusst und auch ziemlich rücksichtlos lebt und die Verführung liebt… Familiengeheimnisse, viel Sex und unterdrückte Gewalt scheinen immer wieder durch in dem sonnendurchfluteten Nicht-Ort am so beschaulichen Fluss… Downriver ist eine aufwühlende Mischung aus Coming-of-Age-Film und Gothic-Noir-Thriller, eine packende Studie über den schlagartigen Verlust der Unschuld und die verzweifelte Suche nach Erlösung.

Als „Gay Noir“ wurde das Regiedebüt des australischen Filmemachers Grant Scicluna von der Presse betitelt – und dieses Label macht durchaus Sinn. Downriver verbindet typische Motive des „Film noir“ wie eine labyrinthische Struktur. Der in Schuld verstrickte Antiheld ist hier allerdings explizit nicht-heterosexuell – wie auch fast alle wichtigen Nebenfiguren. Die queeren Figuren sind bei Scicluna im Vergleich zu den Klassikern der „Schwarzen Serie“ aus den 1940ern nicht nur zahlreich, sondern haben sich natürlich auch vom Nebenrollenstereotyp der dekadenten Schwuchtel emanzipiert. Schwuler Sex ist in Downriver eine Selbstverständlichkeit. Ein anderer wichtiger Einfluss, der sich teilweise mit den Noir-Momenten von Downriver überschneidet, ist Australian Gothic. Als vor allem in der Literatur seit den frühen Tagen der Kolonisation präsenter Modus des Erzählens haben australische Schauergeschichten eine lange Tradition. Der wahre Schrecken lauert jedoch nicht im Outback, sondern inmitten der Menschen selber. Es ist ein Horror des Sozialen, den Scicluna betrachtet, Missstände und Grausamkeiten, die sich auf ungeheuerliche Weise mit dem Alltag seiner Figuren verflechten. Das erinnert durch seinen atmosphärischen Soundtrack sowie die beeindruckenden Naturbilder tatsächlich an Peter Weirs Picknick am Valentinstag (1975), nach wie vor wohl dem Inbegriff von Australian Gothic, was das Kino betrifft. (Carsten Moll, Sissy)

Grant Scicluna
wurde in Melbourne geboren und hat die RMIT University's School of Media and Communications absolviert. Seine Kurzfilme: Neon Skin (2009), Golden Girl (2011), The Wilding (2012) und Hurt's Rescue (2014). Downriver (2015) ist sein Spielfilmdebüt.

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
15.06. 22:00 / Metro Kino Historischer Saal

REGIE:
Grant Scicluna

Buch: Grant Scicluna.
Kamera: Grant Scicluna.
Schnitt: Anthony Cox.
Musik: Penelope Southgate.
Produktion: Jannine Barnes.
Mit: Reef Ireland, Kerry Fox, Robert Taylor, Thom Green, Charles Grounds.

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