Ce n'est pas un film de cow-boys  (It's Not a Cowboy Movie)
Benjamin Parent
F 2012, DCP, Farbe, 12 min, OmeU – Österreich-Premiere

In Anwesenheit von Benjamin Parent.

Queer Palm, La Semaine de la Critique – Cannes FF
Grand Prix „Best Short Film“ – Melbourne Intl FF
Best Live Action Short – Warsaw Intl FF
ADAMI Award „Best Actor“ (Finnegan Oldfield) – Intl Short FF Clermont-Ferrand

Endlich läutet die Pausenglocke. Zeit für einen Abstecher auf’s WC. Das stille Örtchen ist perfekt für intime Konversationen. Gestern lief Brokeback Mountain im Fernsehen, ein Film, der Vincent von den Socken gehauen hat. Moussa darf nicht fernsehen, aber er hat gehört: ein super Western. Nein, nein – nur weil da Cowboys vorkommen, ist das noch lange kein Western, höchstens ein Schwulenwestern. Also legt Vincent los mit seiner Filmbeschreibung, in allen erdenklichen Details, während Malik eigentlich nur pinkeln will. „Was Sex hatten die auch – so von hinten? Und hast du weitergeschaut?“ - „Ja, sicher … was soll denn die Frage jetzt?“

Gleich nebenan bei den Mädchen geht es um denselben Film. Jess fand ihn super. So super, dass sie noch mehr ,Schwuchtelfilme‘ sehen möchte. Ihre beste Freundin Nadia kann solche Schimpfwörter nicht ausstehen und korrigiert sofort: „Sag Schwulen- oder Homofilme.“ Doch schon stolpert Jess ins nächste Fettnäpfchen: „Deinem Papa hat der Film sicher total gefallen, bei all den schnuckeligen Typen.“ Da muss Nadia wieder mit den Augen rollen. Nein, sie und ihr schwuler Papa schauen auch Top Gun und so. „Ah ja … ist sicher toll, einen ,Experten‘ zu Hause zu haben.“ Und so geht die Konversation weiter, was denn die Attribute eines ,richtigen‘ Schwulen seien. Jess’ Erzeuger jedenfalls steht weder auf Camping noch auf Piercings. Echt öd, oder? Erstaunlich aber, was die Mädels so alles wissen über schwule Sexpraktiken, die unter viel Gelächter diskutiert werden. Nebenan redet sich Vincent um Kopf und Kragen. Woher weiß man, ob man es ist oder nicht? Aber wenn er schwul wäre, wüsste er das ganz sicher …

Ce n’est pas un film de cow-boys ist ein schlichtweg grandioser Kurzfilm, der in der Semaine de la Critique in Cannes seine Premiere feierte. Mit Wortwitz, hintergründig, lebensnah, des Alters seiner Protagonist_innen und ihrer Umgebung gewahr und dabei unwahrscheinlich unterhaltsam. Entlang von cleveren Dialogen und wunderbaren Doppeldeutigkeiten nimmt Benjamin Parent Vorurteile und Stereotype, scheinbar lässige Fassaden und Halbwissen gründlich und mit Genuss auseinander. Und am Schluss wissen alle ein bisschen mehr: die Agierenden über sich selbst, ihre Eltern und ihre Identität(en), und wir über Schule, Jugendliche und Cowboy-Movies, die keine sind.

In the toilet of a French high school, two boys and two girls discuss a film they have seen on TV the previous night: Brokeback Mountain. The boys play the role of macho men, incredulous and aggressive. The girls are unshocked and prefer the celebrity gossip; at least one of them does. But we all know that teenagers’ outward attitudes often mask their innocence. Especially when, in the end, you are moved and your father is gay. (Turin LGBT FF)

Benjamin Parent
Geboren 1975 in Meaux, Frankreich. Nach seinem Filmstudium an der Sorbonne Nouvelle arbeitete er im Bereich Musikvideos sowie als Werbetexter. Er ist Ko-Autor des Kurzfilms The End (2011) von Didier Barcelo mit Charlotte Rampling in der Hauptrolle. Ce n’est pas un film de cow-boys (2012) ist sein erster Kurzfilm. Sein erster Langspielfilm, Un Email de papa, ist derzeit in Entwicklung.
KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
17.06. 20:00 / Filmcasino
18.06. 18:00 / Filmcasino

REGIE:
Benjamin Parent

Buch: Joris Morio, Benjamin Parent
Kamera: Nicolas Loir
Schnitt: Béatrice Herminie
Mit: Malivaï Yakou, Finnegan Oldfield, Leïla Choukri, Garance Marillier, Damien Pinto-Gomes

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