Atlántida
Inés Maria Barrionuevo
ARG/F 2014, DCP, Farbe, 88 min, spanische OmeU – Wien-Premiere

NominierungBester Erstlingsfilm“ – Int. Filmfestspiele Berlin
Jury Prize Special Mention – Queer Lisboa Intl FF

Auf der Suche nach dem Glück.

Ein schöner Film, der seine Kraft aus langen Einstellungen, Detailaufnahmen und dem authentischen Spiel der Darsteller_innen, allesamt auf der Straße gecastete Laienschauspieler_innen, zieht und einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt Jugendlicher bietet. (Madlen Haarbach, Lateinamerika Nachrichten)

Es ist ein drückend heißer Sommertag im Jahr 1987. In einem ländlichen Ort in Argentinien sehnen sich alle nach Regen. Lucia zieht schon am frühen Morgen im Schwimmbad ihre Bahnen. Später schwitzt sie am Küchentisch über ihren Büchern. Sie lernt eifrig, denn sie will es unbedingt nach Buenos Aires an die Uni schaffen. Ihre Schwester liegt derweil mit einem Gipsbein im Bett und langweilt sich. Die anderen Teenager treffen sich bei der Hitze am Pool und albern herum. Die Mädchen quatschen über die Jungs und umgekehrt. Wer hat gestern mit wem geknutscht? Aber es gibt auch welche, die das alles nicht interessiert, wie etwa Andrés, der leidenschaftlich seine Bienen züchtet, oder Ana, die gerne Bücher liest. Lucia hat irgendwann genug von ihrer nervenden Schwester und fährt mit Ana ins Grüne. Dort sind die beiden ganz unter sich …
Keine Einstellung dieses Films hat man so schon mal gesehen. Erwachsene kommen kaum vor. Die Jugendlichen lassen sich von ihren Sehnsüchten treiben, doch es fällt ihnen schwer, damit umzugehen. Manchmal tun sie ziemlich verrückte Dinge, sie sprechen oft über Unglücke und den Tod. Einige wollen einfach nur weg. Am Abend kommt der erlösende Regen. (Int. Filmfestspiele Berlin)

In Atlántida ist zwischen den Jugendlichen alles in Bewegung, ihre Sehnsüchte treiben den Film voran. Es wird nur wenig gesprochen, das Meiste über die Bilder vermittelt. Die mehrfach präsente Hitze ist für die Zuschauer_innen fast taktil fühlbar. Inés Barrionuevo entwirft atmosphärische Bilder für die ersten, unsicheren Schritte auf dem Weg zum eigenen Verlangen. Ruhig und sinnlich erzählt sie von Begegnungen und verhaltenen Annäherungen, vom ersten Kuss und vom nahenden Ende der Kindheit. Es sind poetische, aufgeladene Momente – mit dem Wissen, dass eine Entscheidung ansteht: Nichts wird mehr so sein wie diesen Sommer. Atlántida ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie auch in Lateinamerika – den traditionellen und oft religiös geprägten Rollenvorstellungen und Familienbildern zum Trotz – moderne, vielfältige und auch queere Identitätsentwürfe in der Gesellschaft zunehmend sichtbar werden. Wenngleich sie immer wieder auf Widerstand und Unverständnis treffen, wird ihre Existenz in sowohl ländlichen als auch städtischen Kontexten auf eindrucksvolle Weise cineastisch verhandelt. Kino als Erfassung von Wirklichkeit – und als (Vor-)Bild für die Veränderung ebendieser. (Barbara Reumüller)

Inés María Barrionuevo
Geboren 1980 in Córdoba, Argentinien. Studium der Sozialkommunikation an der Universität von Córdoba. Sie schrieb und realisierte mehrere Kurzfilme und TV-Serien. Ihr jüngster Kurzfilm, La Quietud, lief 2013 beim Locarno Film Festival.
Filmografie (Auswahl): Pic-nic (2005, KF), Collage (2012, TV-Serie), La Quietud (2013, KF)

KATEGORIE:
PROGRAMMSCHIENEN:
19.06. 20:00 / Filmcasino

REGIE:
Inés Maria Barrionuevo

Buch: Inés María Barrionuevo
Kamera: Ezequiel Salinas
Schnitt: Rosario Suárez
Musik: Atilio Sánchez
Mit: Melissa Romero, Florencia Decall, Sol Zavala, Guillermo Pfening, Axel Prato, Marcos Lazarte, Victoria Castelo, Julian Hellrigc, Florencia Depetris, Malena Gallardo

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